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"Märchenhaft"

John Høybye: The Little Mermaid
Alexander Zemlinsky: Die Seejungfrau


Nachdem Wilhelm Schmidts mit seinem Universitätsorchester und seinem Universitätschor schon bezüglich der Besetzungen in den vergangenen Jahren in Dimensionen vorgestoßen ist, die sich – es sei denn, man wolle sich eines Tages an Mahlers „Symphonie der Tausend“ wagen – kaum noch überbieten lassen, scheint er sich jetzt vor allem für den Originalitätsgrad der als Semesterschlusskonzert denkbaren Programme zu interessieren.
[...] Der Schlussakkord gerät zu einer Meisterleistung, denn er beginnt mit einem perfekt angestimmten Cluster, der sich allmählich zu einem hell leuchtenden Dur-Akkord „reinigt“. Per aspera ad astra – die Wassergeister finden zur Konsonanz. Wilhelm Schmidts muss man um diesen vorzüglich präparierten Chor beneiden. Oder den Chor um einen solchen Leiter? [...] Man durfte an diesem Abend einmal mehr darüber staunen, dass Universitätsmusikdirektor Wilhelm Schmidts ein solch großes und niveauvolles Ensemble zusammenstellen konnte, aus dem die Primgeigerin Eva Hennevogel ebenso herausragte wie die Bläsergruppen, die viele heikle, weil sehr ausgesetzte Stellen zu bewältigen hatten. Fazit: ein wahrlich origineller Abend, dem überdies eine nachmittägliche Vorstellung der „Little Mermaid“ für die Kleineren vorausging. Die Bamberger Universitätsmusik hat wieder einmal ein Ausrufezeichen gesetzt.

(Diese Rezension wurde am 03.07.2023 von Martin Köhl für art5drei.de verfasst)


 

Atemlose Stille, tosender Applaus

Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 2 c-Moll "Auferstehung"

"Sterben werd' ich, um zu leben!" heißt es in Gustav Mahlers Zweiter Sinfonie, der "Auferstehungssinfonie". Mit diesen beiden Polen ist die existentielle Dimension dieses monumentalen Werkes abgesteckt, das vor großem Publikum in der Würzburger St.-Johannis-Kirche zur Aufführung kam. 200 Mitwirkende waren angekündigt: Für den Chor hatten sich das Würzburger Vocalensemble und der Universitätschor Bamberg zusammengeschlossen, dazu kamen das groß besetzte Universitätsorchester Bamberg und ein kleines Fernorchester. Die Soloparts waren mit der Sopranistin Anna Nesyba und der Altistin Marion Eckstein besetzt; die Gesamtleitung lag in den Händen des Bamberger Universitätsmusikdirektors Wilhelm Schmidts.
 

Was man erleben durfte, waren packende und tief berührende eineinhalb Stunden. Wilhelm Schmidts fordert vom Orchester vollen Einsatz: Präzise dirigierend, groß gestaltend, dennoch detailreich, erreicht er ein differenziertes Klangbild, das von Transparenz bis Fülle höchste Ansprüche erfüllt. Dabei kann er in der Gesamtleistung auf ein ausgezeichnet geschultes, bestens vorbereitetes und gut aufeinander eingespieltes Orchester bauen. Bis an die Grenze zur Wahrnehmbarkeit, gerade deshalb so fesselnd in der Wirkung, werden die leisen Passagen ausgereizt, abgelöst von krachender Explosivität des anderen Extrems.
 

Die Fokussierung auf den Dirigenten in diesem Orchester ist hoch, jede Nuance, jede winzige Tempoveränderung wird umgesetzt, die Einigkeit im musikalischen Gestaltungswillen ist deutlich zu spüren. Trotz der architektonischen Komplexität der Komposition stellt Schmidts große Geschlossenheit her. Souverän hält er das Spiel mit den vielfältigen musikalischen Ereignissen zusammen, arbeitet heraus, was die Sinfonie so existentiell und schicksalhaft wirken lässt: Vergänglichkeit, Erlösung und Auferstehung.
 

Mit den beiden Solistinnen hatte Wilhelm Schmidts eine ausgezeichnete Wahl getroffen. Marion Ecksteins Altstimme ist nicht nur warm, voll, weich und klar. Sie gestaltet das feierliche "Urlicht" auch sehr berührend – immerhin ist da vom Menschen die Rede, der in größter Not lebt. Dann der Umschwung hin zum Engelsruf und zur Seligkeit, ein sehr emotionaler Moment.
 

Schließlich das Finale, das von der Auferstehung kündet: Immer wieder lösen sich Bombastik, marschartiges Schreiten, Zerrissenheit, Kräfteballungen, Kulmination und Entspannung ab, kommt es zu Ruhepunkten, bevor endlich der Chor ganz dezent ins Geschehen hineingleiten darf. Mühe- und makellos gelingt das, ebenso sanft wie kraftvoll. Anna Nesybas Sopran erhebt sich strahlend über den Gesamtklang, verschmilzt aber auch, ebenso wie Marion Ecksteins Alt, bestens ausbalanciert mit Chor und Orchester. Und dann gelingt allen Mitwirkenden ein triumphaler Schluss von so gigantischer Wucht, dass atemlose Spannung erst nach ergriffener Stille von tosendem Applaus abgelöst wird.

(Mainpost, Elke Tober-Vogt, 16.01.2023)


Verfrühte Bilanz eines Lebens

Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 2 c-Moll "Auferstehung"

Kaum sind die letzten Töne der fulminanten Aufführung von Claudio Monteverdis „Marienvesper“ im Dominikanerbau verklungen, wagt sich die Bamberger Universitätsmusik schon an das nächste Großprojekt. Man fragt sich allmählich, wo für Universitätsmusikdirektor Wilhelm Schmidts rein quantitativ die Grenzen liegen bezüglich des Aufwands und der jeweiligen Projektgröße. Am zurückliegenden Sonntag stand die 2. Symphonie Gustav Mahlers, die so genannte „Auferstehungssymphonie“, zur Aufführung im Keilbertsaal der Bamberger Konzerthalle an. Wird es dann irgendwann auch zu Mahlers Achter kommen, der „Symphonie der Tausend“, oder gar zu den noch monumentaleren „Gurre-Liedern“? Nichts scheint mehr ausgeschlossen angesichts des Höhenflugs der hiesigen Universitätsmusik, die seit einigen Jahren natürlich auch qualitativ mit dem Namen Schmidts verbunden ist. [...]

 

Die herbe „Todtenfeier“ taucht nach der Wiederholung des Auftaktes inklusive des fanalartigen Quartmotivs in Pianosphären ein, die tückisch sind, weil in ihrer Transparenz jegliche Schwächen bloßliegen würden. Fehlanzeige ist schon hier weitestgehend zu vermelden, und das sollte auch 90 Minuten so bleiben. Die unerträgliche Dissonanzballung kurz vor der Reprise – wohl einer der Gründe dafür, warum seinerzeit die Rede davon war, dass dies „keine Musik mehr“ sei – schärfte Schmidts auf das Äußerste. [...]

Das betrifft auch die zahlreichen Solostellen in dieser Symphonie, die natürlich bestens besetzt sein müssen. Wie und woher der UMD so viel instrumentale Qualität in Bamberg und Umgebung auftreibt, bleibt rätselhaft. Allein zehn Hörner müssen beigeschafft werden…

 

 

Wilhelm Schmidts nahm in diesem „Nachhall des Erdenlebens“ manche Fortissimostellen allzu explosiv, doch das passiert im Keilberthsaal oft auch anderen Dirigenten. Der Raum mit seiner „weißen Akustik“ verträgt in dieser Hinsicht kein Übermaß, schon gar nicht im Bereich von Schlagzeug und hohem Blech. Das ist aber nur ein kleiner Einwand angesichts einer denkwürdigen Aufführung, deren Bedeutung nicht zuletzt an dem Umstand gemessen werden muss, dass in Bamberg ein Orchester von Weltruf zu Hause ist. Die Werbung der Universitätsmusik für Klassik im Allgemeinen und großformatige Symphonik im Besonderen kommt jedenfalls auch den Bamberger Symphonikern zugute. Fazit: ein tief beeindruckendes Erlebnis!

 

 

(Diese Rezension wurde am 16.01.2023 von Martin Köhl für die Pressestelle der Uni Bamberg verfasst.)


 

Idealer Ort für die Musik des Frühbarock


Claudio Monteverdi: Vespro della Beata Vergine

Die Bandbreite der Bamberger Universitätsmusik wird immer größer, zumal im symphonischen und oratorischen Bereich. Das bezieht sich ebenso auf die Stilepochen wie auf die Größe der Besetzungen. Mittlerweile hat man selbst vor einer Mahlersymphonie keine Bange mehr, andererseits wagen sich Universitätsorchester und -chor sowie auswärtige Gäste auch an sehr spezifische Werke der so genannten Alten Musik. [...]

 

Universitätsmusikdirektor Wilhelm Schmidts hat neben den Mitgliedern seines Uniorchesters und dem universitären Kammerchor, einer Art Favoritchor, weitere Instrumentalisten hinzugezogen, die zu den Spezialisten der Alte-Musik-Szene gehören und sehr spezielle Instrumente wie die Theorbe oder den Zink beherrschen (Concerto dei venti). Besonders gespannt sein durfte man aber auf illustre Gäste aus Leipzig: das A-capella-Ensemble Amarcord, das zu den derzeit führenden Vokalquintetten gehört. [...]
 

 

Es ließe sich noch über manche bemerkenswerten Details dieser tief beeindruckenden Aufführung berichten, die von Wilhelm Schmidts und seinen Ensembles  realisiert wurde [...] Belassen wir es bei der summarischen Feststellung, dass in der voll besetzten Universitätsaula tiefe Beeindruckung zu verspüren war.

(Diese Rezension wurde am 19.12.2022 von Martin Köhl für art5drei.de verfasst)

 

Mit dem Mut zum Repertoirewagnis


Antonín Dvořák: Die Geisterbraut op. 69

Es gehört schon viel Mut dazu, ein weitgehend unbekanntes Werk mit großem Aufwand auf die Bühne zu wuchten und darauf zu vertrauen, dass genügend studentisches Publikum auch an einem Termin in die Bamberger Konzerthalle strömt, der knapp nach Semesterschluss liegt. Die Bamberger Universitätsmusik kann sich das offensichtlich leisten, denn die geradezu chronisch positiven Erfahrungen vieler Jahre haben zu einem soliden Publikumsstamm geführt, der weiß, dass hier jeweils zum Ende des Studienjahres – und oft genug auch zwischendurch – qualitätvolle musikalische Interpretation zu erwarten ist und daher in Treue kommt.

Diesmal also eine oratorienartige Balladenkomposition in Maximalbesetzung: Antonin Dvoráks „Die Geisterbraut“ für Chor, Orchester und Solisten [...]

 

Der wie stets mustergültig präparierte Universitätschor machte das mit hinreißendem Engagement, vorbildlicher Deklamation, verlässlicher Intonation und präziser Einsatzgenauigkeit. [...]

Insgesamt darf man feststellen, dass es dem Universitätsmusikdirektor Wilhelm Schmidts immer wieder gelingt, ausgezeichnete Besetzungen für die Positionen im Sologesang zu finden. Er selber erwies sich einmal mehr als ein Dirigent, der Detailgenauigkeit mit dem Sinn für große Bögen und langen Atem zu verbinden weiß.

 

(Diese Rezension wurde am 02.08.2022 von Martin Köhl für art5drei.de verfasst)

 

 

Glanzvolle Auftritte in einem gehaltvollen Konzert


Zoltán Kodály: Missa brevis für Soli, Chor und Orgel
Carl Maria von Weber: Ouvertüre zu „Oberon“
Richard Strauss: Hornkonzert Nr. 1 Es-Dur op. 11
Paul Hindemith: Symphonische Metamorphosen nach Themen von Carl Maria von Weber
 

Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, das Klassikpublikum anzuziehen. Entweder man setzt auf prominente Stars, oder man… – ja was? Die Alternative ist mühsamer, aber sie ist im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltiger und zahlt sich auf Dauer aus. Die Universitätsmusik beschreitet diesen alternativen Weg seit Jahren, der ganz einfach darin besteht, verlässlich Qualität und interessante Programme zu bieten. Der stetig steigende Publikumszuspruch ist eine eindrucksvolle Bestätigung, und so konnte man sich auch beim diesjährigen Schlusskonzert des Wintersemesters trotz der hinderlichen Coronabedingungen auf einen Abend freuen, der programmatisch viel versprach und interpretatorisch viele Versprechungen hielt.

[...]

Das ausgewählte Werk, die Missa Brevis von Zoltán Kodály aus dem Jahre 1944, bestätigte den Anspruch von Universitätsmusikdirektor Wilhelm Schmidts, die Unimusik nicht auf ausgetretenen Pfaden wandeln zu lassen. Recht unbekannt ist das Werk, nicht vergleichbar mit Kodálys berühmtem „Te Deum“, stilistisch sehr zurückhaltend, spätromantisch nachklingend, sich jeglicher Schärfungen enthaltend. Und doch überrascht der Anfang, denn nach der in dunklen Farben gehaltenen Einleitung werden die Solistinnen durch einen schwierigen, weil extrem hohen Einsatz gefordert. Der Universitätschor folgt unfehlbar.

So gefällig Kodálys Musik wirkt, stellt sie doch genügend Ansprüche, zumal auch an den Chor, der mit großer Einsatzsicherheit und einem wunderbar runden Klang durch die einzelnen Messteile führte. Eine geglückte vokale Auswahl vorwiegend Würzburger Provenienz (Anna Feith, Sopran; Christine Mittermair, Alt; Johann Jakob Winter, Tenor; Jakob Mack, Bass) komplettierte den sehr favorablen Gesamteindruck, den diese Aufführung hinterließ, nicht zuletzt natürlich auch aufgrund des souveränen Dirigats von Wilhelm Schmidts, dem chorpädagogisch sowieso der beste Ruf vorausgeht. Großer Applaus seitens der dicht geschlossenen studentischen Reihen nach diesem Auftritt!
[...]

 

Zum glanzvollen Schluss eines gehaltvollen Konzertes erklang abermals Musik aus den vierziger Jahren, Paul Hindemiths „Symphonische Metamorphosen über Themen von Carl Maria von Weber“. Dieses Werk stand also gleich zweifach für Bezüge zum (intelligent disponierten!) Programm. Der Kopfsatz geriet noch eine Spur zu grob, doch im „Turandot“-Scherzo durfte man sich über die zahlreichen Qualitäten im Reich der Holzbläser freuen, zu denen das Hornquartett ebenso verlässlich hinzutrat wie die reich besetzte Perkussion. Wenn diese dann mit den Posaunen, Trompeten und der Tuba ein rhythmisch ausgefeiltes Fugato anstimmen, ist das die reine Hörfreude. Der Finalsatz mit dem Marsch durfte als fulminanter Rausschmeißer dienen. Mitreißender Drive als Ausklang, von einem inspirierenden Dirigenten als Impulsgeber in sichere Bahnen gelenkt, was will man mehr? Das Echo im jungen Publikum war von sichtlicher Begeisterung geprägt. Fazit: Um den Nachwuchs bei der Klassik-Zuhörerschaft braucht man sich genauso wenig Sorgen machen wie um die Bereitschaft junger Menschen zur Vervollkommnung des eigenen instrumentalen oder vokalen Könnens. Das Semesterabschlusskonzert hat davon einmal mehr ein beeindruckendes Zeugnis abgelegt.

 

(Diese Rezension wurde am 15.02.2022 von Martin Köhl für die Pressestelle der Uni Bamberg verfasst.)



„Wir sind wieder da!“

 

Es ist wahrlich ein schönes Motto, mit dem sich die universitäre Musik Bambergs zurückgemeldet hat, eines, das man geradezu sehnlichst erwartet und auf das man sich nun freuen konnte: „Wir sind wieder da!“. „Und wie!“ möchte man ergänzen nach dem formidablen Konzert, das die Musikausübenden der Otto-Friedrich Universität am zurückliegenden Samstag im Joseph-Keilberth-Saal der Bamberger Konzerthalle abgeliefert haben.
 

Dieses Konzert wirkte wie eine Befreiung nach der langen Pandemie-Paralyse, und deshalb war es eine gute Idee, dies gleich eingangs mit einer trefflichen Fanfare zu feiern. Paul Dukas’ „Fanfare pour précéder La Péri“ für elf Blechbläser geriet auf Anhieb zum interpretatorischen Paukenschlag, so dass man sich fragen mochte, ob sich da nicht doch ein paar heimische Symphoniker hineingemogelt hätten. Hatten sie nicht, aber man kann nur darüber staunen über das hier erreichte Niveau, das sogar über Semiprofessionalität weit hinausgeht. Auch der Streicherkörper des Universitätsorchesters hat unter Corona offenkundig überhaupt nicht gelitten, was sich gleich anschließend in Edward Elgars berühmter Serenade e-moll zeigte, einem der beliebtesten Ohrwürmer des Repertoires für Streichorchester. Die Bläser demonstrierten ihr stupendes Können abermals in der Toccatina aus einem „Tripartita“ übertitelten Stück Bertold Hummels, bei dem auch die Pauke Akzente setzen durfte.

 

Der Chormusik, die ja in Bezug auf die Aerosolverteilung gar so gefährlich sein soll, näherte man sich an diesem Abend nur ganz vorsichtig, zunächst sogar auf dem Umweg über eine Blechbläserfassung von Anton Bruckners Chor-Evergreen „Os justi“. Ob da die hohen Trompeten – zumindest im Vergleich zum Chorklang – nicht ein wenig zu viel des Glanzes spendeten? Dann aber folgte Chorgesang im Original mit 18 wackeren Männern und der musikhistorisch so seltenen Besetzung von violinfreien Streichern als Begleitung: Franz Schuberts Gesänge für Männerchor und tiefe Streicher. Die Weglassung der Violinen und das schöne Timbre der Tenöre und Bässe zeitigten einen angenehm dunklen Klang. Dass Goethes Huldigung der Wasserfluten ungewollt prekäre Assoziationen evozierte, erwies sich als leider unvermeidbare Koinzidenz. Morgens noch im Fernsehen die Urgewalt eines entfesselten Elements gesehen, abends das Wasser sanft besungen, zuletzt mit dem „Gondelfahrer“ – welche Kontraste!

In Mozarts Serenata Notturna KV 239 kam es zu einem schönen Wettstreit der Violinen und hörenswerten Soli des Kontrabasses und der Pauke. Der Witz dieser musikalischen Tändelei ist natürlich das penetrante Ritornell, das einfach nicht ermüden will. Nach der Pause drängte sich in Robert Schumanns Romanzen und Balladen, die von ca. 30 Sängerinnen so charmant wie stimmfrisch vorgetragen wurden, die Frage auf, ob es die Coronapause überhaupt gegeben hat: nichts eingerostet! Sehr kultiviert klang das, bei den folgenden Brahms-Gesängen auch mit aparten Pianissimi in den Höhen, dort zudem begleitet von drei exzellenten Instrumentalistinnen (Harfe und Hörner). Feine Streicherqualitäten ließen sich anschließend in der „Valse triste“ von Jean Sibelius studieren. Bei den Orchesterstücken von Maurice Ravel („Pavane pour une infante défunte“) und Alexander Glasunow (Serenade Nr. 2 F-Dur) traten exquisite Holzbläserstimmen hinzu.

Die sinnige Programmzustellung bescherte zum Schluss noch eine wirkungsvolle Pointe, denn wie eine Klammer umfasste den Abend genau jene Besetzung und musikalische Gattung, mit der er auch begonnen hatte: eine „Fanfare for the Common Man“ Aaron Coplands, die den Blechbläsern inklusive Pauken und Schlagzeug abermals Gelegenheit zum festlichen Glänzen gab. Alles andere als ein „Common Man“ ist Wilhelm Schmidts, der sich nicht nur als Garant für ein gut durchdachtes Programm und als souveräner musikalischer Leiter erwies, sondern auch seine Qualitäten als kurzweiliger Conférencier unter Beweis stellte. Ein denkwürdiger Abend!

 

(Diese Rezension wurde am 20.07.2021 von Martin Köhl für die Pressestelle der Uni Bamberg verfasst.)

„Eine denkwürdige Aufführung“


Robert Schumann, Szenen aus Goethes Faust

Wilhelm Schmidts leitete das Ganze ebenso souverän wie sichtlich inspirierend. Sein Chor scheint für alle denkbaren Aufgaben geeignet, das Universitätsorchester trotz hohen Laienanteils auch für komplexere Partituren gewappnet. Ein Sonderlob muss dem sehr aufwendig und höchst anspruchsvoll aufgemachten Programmheft gelten: vorbildlich! Bambergs Universitätsmusik hat mit diesem großen Projekt ein markantes Ausrufezeichen gesetzt.
(Martin Köhl, Fränkischer Tag, 13.02.2020)

„Weihnachts-Oratorium“


Johann Sebastian Bach, Weihnachts-Oratorium I-VI

…um es gleich vorwegzunehmen, es ist dem kleinen Orchester und den etwa 40 Sängerinnen und Sängern unter Schmidts Leitung ein Glanzstück gelungen. Das Bach'sche Meisterwerk ist uns Hörern ja zugleich ein Lebensbegleiter und ich gestehe gerne, dass sich mir die metrische und harmonische Kraft der Arien, die Ruhe der Chöre, vor allem aber die schier überwältigende Vielfalt und Unterschiedlichkeit der musikalischen Formen insgesamt an diesem Abend so großartig erschlossen hat wie lange nicht mehr.
(Rupert Plischke, infranken.de, 17.12.2019)

Mozart und Bruckner


Wolfgang Amadeus Mozart, Davide penitente
Anton Bruckner, Sinfonie Nr. 4 "Romantische"

Das innige Wechselspiel und Miteinander wurde auf höchst delikate Weise vom Orchester begleitet und in stilvollem pianissimo luftig beendet. Es sind wohl Details wie diese, oder auch die ungemein filigran gestaltete, durch klare Akzente und höchst quirlige Läufe ausdifferenzierte Begleitung der eben genannten dritten Arie, die auf die akribische Probenarbeit des Dirigenten Wilhelm Schmidts verweisen.

Bruckner hat hier eine Fülle an Ideen und Einfällen einerseits in die klassischen vier Sätze, andererseits in „seine“ Periodenform mit ihrer besonderen Einteilung gebracht, sodass es nicht leicht fällt, immer aufmerksam zu lauschen – geschweigen denn über die etwa 70 Minuten hinweg als Ausführender immer Konzentration und Spannung zu halten. Umso beachtlicher ist das Niveau, auf das Wilhelm Schmidts seine Musiker geführt hat, um die typisch Brucknersche Klangsprache mit ihren weiten Flächen und großen Steigerungen, ihren eruptiven Szenen und Momenten des Innehaltens und Verklingens zu erschließen und sinnfällig zu machen. [...] Passend dazu: der lange Moment ergriffener Stille nach der weitgeschwungenen, wuchtig und akkurat zugleich präsentierten Coda. Danach langer, begeisterter Applaus.  

(Rupert Plischke, uni-bamberg.de,  21.07.2019)

Zwischen gedeckten Farben und rauschhaftem Klang


Johannes Brahms, Ein deutsches Requiem

Am Dirigentenpult hatte sich Wilhelm Schmidts nicht für das Chordirigat mit seinen den Klang formenden Händen entschieden, sondern für den Taktstock im Sinne des Orchesterdirigats. Das ist auch angesichts eines so großen instrumentalen Klangkörpers verständlich, verdeckt aber keineswegs die enormen chorpädagogischen Fähigkeiten des universitären Musikchefs. Er gab sinnstiftende Impulse, besaß souveräne Übersicht und führte das musikalische Riesenaufgebot sicher durch die anspruchsvolle Partitur. Welches Renommee die universitäre Musikpflege in Bamberg mittlerweile genießt, zeigte sich auch einmal mehr an der Publikumsresonanz: obwohl die hiesigen Musikliebhaber vom hohen symphonischen Niveau der heimischen Staatsphilharmonie verwöhnt sind, war der Saal ausverkauft!

(Martin Köhl, Fränkischer Tag,  05.02.2019)

Eine Aufführung zwischen Rührung und Jubel


Joseph Haydn, Die Schöpfung

Man darf sich alle Jahre wieder darüber wundern, auf welch exzellentem Niveau die universitäre Musikausübung zum Semesterausklang großformatige oratorische Aufführungen zu realisieren vermag. […]Es gibt kaum eine oratorische Einleitungsmusik, die von den ersten Takten an so schonungslos offenbart, welches Aufführungsniveau zu erwarten ist, wie das anfängliche „Chaos“ in Haydns Opus summum. […]Bezüglich des Orchesters klang das so vielversprechend, dass man zumindest von einem semiprofessionellen Niveau sprechen muss. […]Der groß besetzte Chor besticht durch seine akkurate Intonation und eine imposante Klangfülle. Die Fuge auf die Textzeile „Denn er hat Himmel und Erde“ wies ihn überdies als kontrapunktisch versiertes Ensemble aus. […]Von Höhepunkten dieser Aufführung ließe sich viel erzählen, ein erster davon ist natürlich der Chor „Die Himmel erzählen“, in dem Wilhelm Schmidts demonstrierte, dass er nicht nur ein feinfühliger Chorleiter ist, sondern stets auch gestisch die angemessenen Impulse für das Orchester zu geben vermag.

(Martin Köhl, infranken.de,  03.07.2018)

Bejubelter musikalischer Semesterschluss 

Antonin Dvořak, Stabat Mater

Wilhelm Schmidts lotste den riesenhaften Klangkörper routiniert durch die anspruchsvolle Partitur. […] Ansonsten lieferte der vielbeschäftigte und auch andernorts sehr gefragte Chef der Bamberger Universitätsmusik ein sehr überlegtes und überlegenes Dirigat ab. Dieses am Ende einhellig bejubelte Stabat Mater stellte dem universitären Musikbetrieb ein ausgezeichnetes Zeugnis aus.

(Martin Köhl, Fränkischer Tag,  10.02.2018)

Verdis Requiem in ausverkaufter Konzerthalle 

Giuseppe Verdi, Messa da Requiem

Mit über 200 Musizierenden studierte Wilhelm Schmidts, der seit nunmehr zwei Jahren den Universitätschor und das Universitätsorchester leitet, Giuseppe Verdis Messa da Requiem ein. Schmidts schaffte es, seine Musiker zu motivieren, zu trainieren und zu echtem Zusammenspiel zu führen. Offensichtlich gelang ihm eine so effektive wie akribische Vorbereitung in den einzelnen Stimmen. Beim Konzert überzeugte vor allem sein souveräner Überblick und die gelassene Sicherheit, mit der er die Musiker durch die teils sehr komplexe und effektvoll angelegte Partitur führte.

(Rupert Plischke, infranken.de, 01.02.2017)

Allerhöchste Chorkultur

Max Reger, Motetten op.110

Max Regers „Geistliche Gesänge“ op. 110 gehören zu den schwierigsten Motetten der spätro-mantischen Chorliteratur. Der Komponist war sich der extremen Anforderungen dieses Werkes bewusst. Er forderte die Thomaner auf, gehörig daran zu studieren. Offensichtlich hat das Vocalensemble Würzburg zusammen mit dem Kammerchor an der Universität Bamberg unter der Leitung von Wilhelm Schmidts das auch getan. Denn das, was dieses Ensemble in der Würzburger St. Johanniskirche zu Gehör brachte, war allerhöchste Chorkultur. Mit perfekter Intonation, herrlicher Ausgewogenheit, Ernsthaftigkeit und Inständigkeit, Fähigkeit zur Versenkung und nachtwandlerischer Sicherheit zeichnete dieser Chor die düstere Stimmung, das massive Unisono, die Schärfen, aber auch den tröstlichen Schluss der fünf- bis achtstimmigen Motette „O Tod, wie bitter bist du“.

Genauso sicher, tonschön, in stimmiger Phrasierung, immer noch tragend im zartesten verklingenden Pianissimo hörte man die „Acht geistlichen Gesänge“ a capella op. 138. Bemerkenswert war auch die hervorragende Aussprache.  

[…] So war die abschließende doppelchörige Motette „Der Geist hilft unserer Schwachheit auf“ von Johann Sebastian Bach in ihrer tänzerischen, spielerischen Leichtigkeit fast eine Lockerungsübung für diesen Chor. Die mühelose, rasche Brillanz in diesem Werk, das man meistens mit instrumentaler Unterstützung hört, war bemerkenswert.

(Armin Rausche, Mainpost,  13.11.2016)

An die Sterne

Robert Schumann, Sinfonie Nr. 4 d-Moll

Max Reger, Der Einsiedler

Der sich anschließende „Einsiedler“ Regers entpuppte sich in der Gegenüberstellung  mit dem Schicksalslied nicht nur als eine thematisch verwandte, sondern auch kongeniale Komposition. Das im 100. Todesjahr des Komponisten in Bamberg wohl erstmals aufgeführte, anspruchsvolle Werk tauchten Dirigent Wilhelm Schmidts und sein Orchester von Beginn an in jenen unwiderstehlichen „Brahmsnebel“, dem sich Reger ungeachtet seiner Modernität zeitlebens verhaftet fühlte. […]

Der orchestrale Höhepunkt stand am Schluss mit Schumanns d-Moll-Symphonie in der Urfassung von 1841. Dieses erstaunliche Werk, vom Komponisten als einsätzige – wenngleich vierteilige –  „sinfonische Fantasie“ konzipiert, galt es in seinen zahlreichen motivischen Entsprechungen und Bezügen bei seinem gleichzeitigen Ideeneichtum wie in einem Guss zusammen zu halten. Diese Herausforderung gelang durch die offensichtlich minutiöse Einstudierung in Verbindung mit Wilhelm Schmidts’ völlig klarem Dirigat und einem hochkonzentrierten Orchester eindrucksvoll - und wurde mit langen Beifallsbekundungen belohnt.

(Rupert Plischke, uni.bamberg.de, 21.07.2016)

Rossinis kleine große Messe

Gioachino Rossini, Petite Messe solenelle

Das Kyrie gestaltet Rossini mit allerlei romantischen Aufschwüngen und harmonischen Wendungen beziehungsweise Eintrübungen, teils überraschend, teils erwartbar. Die immer wieder drohende Kitschgefahr bannten Schmidts und seine Sängerinnen und Sänger jedoch durch eine bemerkenswert differenzierte Piano- und Pianissimo-Kultur und klare Artikulation sowie großartige innere Spannung über die teils recht weiten Bögen. Beachtlich auch die Flexibilität des Chores, sodass die archaischen, quasi spätmittelalterlich eingefärbten Passagen mit der gebotenen Durchsichtigkeit gelangen, ebenso klar die fugierten Passagen.

(Rupert Plischke, uni.bamberg.de, 23.06.2016)

Meisterwerke von Bach und Händel 

Johann Sebastian Bach, Missa 1733 BWV 232 I

Georg Friedrich Händel, Dettinger Te Deum
 

Sehr beeindruckend wirkt Schmidts als Dirigent, der stets große Ruhe ausstrahlt und mit eher wenigen klaren Vorgaben auskommt – bei der sehr differenzierten musikalischen Ausdeutung des Textes durch Bach ebenso wie bei der Umsetzung von Händels prachtvoll-majestätischen Effekten.

(Rupert Plischke, uni-bamberg.de, 10.02.2016)

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